Review - Pixel HK X800C Speedlite




Auf dem Blitztechniksektor für fotografische Anwendungen ist aktuell viel in Bewegung. Kleine Firmen aus Fernost, insbesondere aus China, erregen mit neuen Produkten, die den Originalherstellern in Verarbeitungsqualität und Funktionen in Nichts nachstehen oder diese sogar übertreffen, in letzter Zeit großes Aufsehen und setzen die Erstausrüster, vorsorglich Canon, Nikon oder Sony stark unter Druck. So wie die Firma Pixel HK, die mit dem „X800C“ Aufsteckblitz ein Speedlite für das Canon E-TTL II Sytem entwickelt hat, dass ein Funksystem beinhaltet, ähnlich dem Flaggschiff Blitz „600EX-RT“ von Canon, und mit einer Leitzahl von 60 große Leistungsreserven verspricht. Als Pixel HK nach internationalen Testern für ihr neues Blitzgerät „X800C“ suchte, war mein Interesse sofort geweckt. Wenige Wochen nach dieser Anfrage bekam ich nach einer Bewerbung ein neues und originalverpacktes Speedlite für ein Review zugesendet.



Vorwort


Dieser Test betrachtet die Funktionalität des Geräts aus der praktischen Nutzersicht eines Sport- und Hochzeitsfotografen. Dies ist kein wissenschaftliches Review, welches die technischen Eigenschaften des Blitzes reproduzierbar beleuchtet. Technische Spezifikationen können dem Manual entnommen werden bzw. werden gut im Internet zu finden von verschiedenen anderen Testern bewertet. Beurteilt werden in diesem Review ausschließlich die Funktionen des Speedlites als Aufsteckblitz. Das Gerät verfügt darüber hinaus auch über eine Funktion als Master- und Slaveeinheit mit integriertem Funksender und –Empfänger zum entfesselten Blitzen. Es lag jedoch ausschließlich ein einzelnes Blitzgerät vor (offizielle Verkaufsversion mit der Firmware F4B002, Seriennummer 350072000191), sodass diese Funktionen nicht getestet werden konnten.


Getestet wurde mit einer Canon EOS 6D (Firmware 1.1.2), sowie den Drittanbieter Funksystemen „Odin“ und „Aster“ von Phottix. Verglichen wurde das „X800C“ mit den original Speedlites von Canon „430EXII“ und „580EX“, die ich für meine praktische Arbeit am häufigsten benutze. Das Speedlite für das Review musste nicht zurück zur Firma Pixel HK gesendet werden und gilt unabhängig von der Testbewertung als Vergütung für den Test. Aus Lesern könne aktive Mitgliedern Ihres Blogs werden, die Gedanken und Ideen teilen sowie interessante Menschen entdecken können.


Erster Eindruck - Haptik und Verarbeitung


Das Speedlite „X800C“ hat nach dem ersten Begutachten eine ähnliche Größe und Gewicht wie ein Canon „580EX“ Blitzgerät. Der Betrieb erfolgt systemtypisch mit 4x AA-Akkus (z.B. Sanyo „Eneloop“) oder Batterien mit 1.5V Spannung. Die Anordnung des Displays und den Bedienknöpfen orientiert sich weitgehend am Canon „600EX-RT“. Die Verarbeitung ist nach kritischer Prüfung als sehr gut zu bewerten, und weist ein vergleichbares Niveau wie ähnliche Speedlites von Canon („430EXII“ oder „580EX“) auf oder ist besser. Der Metallfuß mit Schnellverschluss (gedichtet) ist sehr gut verarbeitet und von der Güte auf einem ähnlichem Niveau wie die des „430EXII“ und arbeitet ebenfalls mit einem Schnellverschlusssystem. Die Verarbeitung ist deutlich besser als die des Kunststofffußes des „580EX“, welcher darüber hinaus mit einem oft hakenden Drehverschluss fixiert wird. Die Verschlussklappe für das Batteriefach ist ebenfalls sehr gut verarbeitet. Diese macht einen sehr soliden Eindruck, ist vergleichbar mit der des „430EXII“ und sollte einige Jahre reger Nutzung gut überstehen. Der Auszug einer Streuscheibe für Fotografien mit Brennweiten unter 20 mm sowie einer Reflektorplatte zur Erzeugung von Lichtreflexen in Augen beim indirekten Blitzen ist möglich und funktioniert tadellos. Die Verdrehung und Neigung des Blitzkopfes ist in alle erdenklichen Richtungen möglich und identisch mit den Funktionen eines „580EX“. Die Raststufen der Neigung sind gut definiert und gut zu bedienen. Die Bedienknöpfe haben einen angenehmen Druckpunkt (deutlich besser als teilweise beim Canon „430EXII“) und setzen Befehle sofort um. Kleine Kritikpunkte sind der An-/Ausknopf der klein ausgefallen und im Vergleich schlechter verarbeitet ist. Die Konkurrenz von Canon verbaut an dieser Stelle robustere Hebel. Dieser Kritikpunkt gilt auch in abgeschwächter Form für das gut zu erreichende, mittig platzierte Drehrad. Es ist von der Verarbeitung betrachtet nicht ganz auf dem Niveau des restlichen Geräts.



Der On/Off Hebel und das mittige Einstellrad sind nicht ganz auf dem Niveau des restlichen Geräts.


Weitere Schnittstellen am Blitz beinhalten einen Sync-Port, einen Anschluss für einen externen Akku sowie einen micro-USB Eingang. Zukünftige Firmware Updates können also mühelos hochgeladen und installiert werden.

Es wird weiterhin sinnvolles Zubehör mitgeliefert wie eine Tasche mit Gürtelschlaufe, ein Aufsteckdiffusor und ein Standfuß aus Kunsstoff (auch, wenn ich denke, dass diese Art Diffusor nicht wirklich einen großen Einfluss auf die Lichtqualität hat, im Vergleich zu „großen“ Lichtformern) und ein Standfuß.



In Benutzung


Nach dem Einschalten benötigt das Gerät ca. 3 (relativ lange) Sekunden zum Hochfahren. In praktischen Situationen eignet es sich somit bei Bedarf das Gerät eingeschaltet zu lassen und aus dem (leicht zu programmierbaren) Schlafmodus zu wecken, wenn nach längerer Nichtverwendung das Gerät kurzfristig genutzt werden will (z.B. spontane Situationen während einer Hochzeit). Die Menüführung an sich ist intuitiv und einfach. Ich war nach 2 Minuten mit allen Funktionen vertraut ohne ein Manual benutzen zu müssen. Es gibt keine versteckten Funktionen über unpraktische und kryptische Menüstrukturen (wie die C.Fn.-Einstellungen z.B. bei Canon „430EXII“ und „580EX“). Alle Funktionen und Einstellmöglichkeiten sind übersichtlich auf dem Display abgebildet und schnell zu erreichen über Direktwahltasten.

Alle Funktionen und Einstellungen sind übersichtlich auf dem Display abgebildet und schnell über Direktwahltasten zu erreichen.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Display darüber hinaus auch eine Information über den Ladezustand der Akkus enthält (das vermisse ich regelmäßig bei den Canon Blitzen, die ich oft benutze). Die Wahltasten haben wie schon beschrieben einen guten Druckpunkt und setzen Befehle sofort um. Das Drehwahlrad ist hingegen leider etwas träge (auch wenn die Klicks sehr gut definiert sind) und indirekt, insbesondere beim ersten Klick um z.B. die Blitzleistung zu erhöhen. Der gewünschte Befehl wird nicht direkt umgesetzt und erst der zweite Klick verändert die Werte wie gewünscht. Das Display ist in allen Helligkeitssituationen (auch im direkten Sonnenlicht) gut abzulesen. Der Blitz arbeitet bei der Lichtabgabe geräuschlos. Das Aufladen des Kondensators erfolgt ebenfalls geräuschlos (sehr positiv). Die Ladezeiten bis zur erneuten Bereitschaft sind vergleichbar mit denen der verglichenen Canon Speedlites. Der Einstellbereich der Power erfolgt in Drittelschritten von 1/1 bis zu 1/128 der vollen Power und ist vergleichbar mit der Konkurrenz und voll ausreichend. Leider täuscht die Leitzahl von 60 (gemessen bei Reflektorzoomstufe 200mm) eine höhere Leistung vor, als tatsächlich vorhanden ist. Bei gleicher Zoomstufe hat der Pixel „X800C“ bei voller Leistung ca. 2/3 Blendenstufen weniger Leistung als der „580EX“ von Canon und liegt damit leistungstechnisch in etwa zwischen dem „430EXII“ und dem „580EX“ von Canon. Für die Arbeit mit großen Lichtformern im Außenbereich bei starkem Sonnenlicht (Portraitierung, z.B. Hochzeiten), sowie bei niedrigen ISO-Werten, hohen Blendenzahlen und kurzen Verschlusszeiten oberhalb der Synchronzeit (HSS) z.B. bei Bewegtmotiven in der Sportfotografie ist die Leistung oft nicht ausreichend (generelles Problem von Aufsteckblitzen und kein spezielles Problem des „X800C“).


Hier ist ein leistungsfähiges Blitzgerät unabdingbar: Actionfotografie in starkem Sonnenlicht mit Verschlusszeiten kürzer als die Synchronzeit des Verschlusses.


Als positiv kann der weite Zoombereich des Reflektors bewertet werden, der einen vergleichsweise weiten Einstellbereich von 20-200mm (zum Vergleich, Einstellbereich des „580EX“: 24-105 mm) aufweist. Beim Zoomen treten allerdings recht laute Geräusche des Verstellmotors auf. Das könnte in kritischen Situationen (z.B bei Hochzeiten, Konzerten, Vorträgen) störend sein.


Kritische Momente während einer Hochzeit: Störgeräusche, z.B. durch den Zoom-Motor des Blitzes verursacht, sind unerwünscht!



Eine weitere Eigenschaft, die hier erwähnt werden sollte, ist die Programmierung des Zoom Motors den Vorgaben des Objektivs zu folgen, auch wenn der Blitzkopf geneigt ist. Blitzgeräte von Canon nutzen im Vergleich beim indirekten Blitzen die feste 50 mm Einstellung. Die Kommunikation mit einer Canon EOS 6D erfolgte problemlos und uneingeschränkt (auch die E-TTL Belichtungsmessung). Die Menüführung direkt über die Kamera funktionierte ebenfalls einwandfrei. Bei häufigem Blitzen an der Leistungsgrenze konnte eine schnelle Erwärmung des Geräts festgestellt werden, was jedoch während der Testzeit und einem Outdoor-Mountainbikeshooting niemals zur Überhitzung und zum Ausfall des Geräts führte. Der Stromverbrauch bei normaler Benutzung schien mir subjektiv betrachtet etwas höher zu sein als bei der Konkurrenz von Canon. Der Verbrauch liegt jedoch in einem praktisch normal nutzbaren Bereich. Das Autofokushilfslicht funktioniert tadellos ist jedoch etwas weniger hilfreich und gut auf das Autofokussystem spezieller Kameras angepasst als bei original Canon Speedlites und ist glücklicherweise einfach (mit einem Klick im Display-Menü) abschaltbar (ich benutze es selten und nur bei fast vollständiger Dunkelheit, da zu fotografierende Menschen schnell davon gestört werden und der „candid“-Charakter eines Bildes bei Nutzung des AF-Hilfslichts schnell verloren gehen kann). High-Speed-Sync (HSS) ist ohne Abschattung im Bild einsetzbar und funktioniert (mit sytembedingt verbundenen erheblichen Leistungseinbußen) einwandfrei auch bei sehr kurzen Verschlusszeiten. Größtes Manko des Pixel Speedlite Systems ist meiner Meinung nach die fehlende Kompatibilität zu Funksystemen anderer Drittanbietern zum entfesselten Blitzen. In meiner praktischen Arbeit setze ich Blitzgeräte fast ausschließlich entkoppelt von der Kamera ein. Die Funktion mit dem „Odin“-System von Phottix ist beispielsweise nicht gegeben.


Entfesseltes Blitzen, wie hier im Gegenlicht, ermöglicht eine ganz neue kreative Welt der Fotografie.


Nach einem Test mit dem „Odin“ von Phottix war der Transceiver sogar auch mit Canon Speedlites nicht mehr einsetzbar und defekt. Erst nach einem Zurücksetzen des Geräts durch erneutem Aufspielen der Firmware auf den „Odin“-Transceiver funktionierte dieser wieder (mit Canon Speedlites). Das entfesselte Auslösen über ein ausschließlich manuelles „Mittenkontakt“-System (z.B. Phottix „Atlas“) ist hingegen möglich. Zur Nutzung von HSS, E-TTL und der Ferneinstellung der Blitzstärke via Funk muss leider auf das Pixel eigene System (Pixel „King“) zurückgegriffen werden (nicht getestet). Vielleicht wird hier in Zukunft von Pixel mit einem Firmware Update das System für Drittanbieter geöffnet.



Zusammenfassung Pro und Contra


Pixel HK ist es mit der Entwicklung des „X800C“ gelungen, ein absolut seriöses und im Fotografenalltag bestens zu integrierendes Speedlite für das Canon System auf den Markt zu bringen. Der Aufsteckblitz steht in der Summe den Originalgeräten von Canon in Hinsicht auf Funktion und Verarbeitung in Nichts nach. Auch, wenn das Gerät über Fachgeschäfte in Deutschland trotz Europa-Distributor aktuell noch schwer zu bekommen ist (ausschließlich über wenige Versandhändler), bietet Pixel mit dem „X800C“ für einen Bruchteil des Preises (ca. 160,- Euro) der Originalgeräte von Canon ein konkurrenzfähiges Produkt mit vergleichbaren technischen Funktionen eines „600EX-RT“ und einer maximalen Leistung, die zwischen den Speedlites „430EXII“ und „580EX“anzusiedeln ist. Ich kann mir gut vorstellen, dieses Gerät bei professionellen Aufgaben in mein System zu integrieren und in Zukunft einzusetzen. Ich würde das Gerät nach diesem Test mit den diskutierten kleinen Schwächen (die Originalgeräte von Canon an anderer Stelle auch haben) weiterempfehlen.





Pro +

  • Gute Verarbeitung in mancher Hinsicht besser als die verglichenen Canon Speedlites (gedichteter Fuß, Akkuklappe) in mancher Hinsicht etwas schlechter (Wahlrad, Ein-/Ausschalter)

  • Sehr gute intuitive Menüführung, keine kryptisch versteckten Funktionen. Alle Einstellungen sind sofort über Direktwahltasten gekoppelt an Displayinformationen zu erreichen

  • Taster zur Funktionseinstellung haben guten Druckpunkt und setzen Befehle sofort um

  • Großer Zoombereich ohne Streuscheibe (20-200mm)

  • Lautloser Blitzbetrieb und Aufladung des Kondensators

  • In jeder Lage gut ablesbares Display

  • Viel Zubehör (Standfuß, Diffusor, Tasche)

  • Preis


Contra -

  • Leistung (ca. 2/3 Blendenstufen weniger maximale Leistungsabgabe, als ein „580EX“ von Canon bei gleicher Zoom-Stufe). Leitzahl 60 (allerdings bei Zoomstufe 200mm gemessen) suggeriert mehr Leistung, als vorhanden ist.

  • Nicht kompatibel zu ETTL-fähigen Drittanbieter-Funkauslösesystemen (z.B. Phottix Odin)

  • Vergleichsweise lauter Zoom-Motor zur Veränderung des Abstrahlwinkels

  • Ein-/Ausschalter und Wahlrad nicht auf derselben Qualitätsstufe hinsichtlich Verarbeitung wie der Rest des Geräts (Wahlrad beim ersten „Klick“ nicht sensitiv)




© 2020 Bastian Paas Fotografie   I   Datenschutzerklärung   I   Impressum