Review - Kameras für den Fototrip Island




Zwei Kameras dabei zu haben – das ist natürlich purer Luxus. Trotzdem, als "alter" DSLR Fotograf wollte ich für den Fototrip Island nicht ausschließlich auf die neue spiegellose Technik vertrauen, obwohl ich schon ein großer Fan von „Mirrorless“ bin. Insbesondere aufgrund der niedrigen Temperaturen in Island hatte ich im Vorfeld Bedenken wegen der Akkulaufzeit. Der Plan war, das Bestmögliche für Island einzupacken, was derzeit für Landschaftsfotografie verfügbar ist von Canon. Dieser Plan ist rückblickend voll aufgegangen. Die EOS 5DSR habe ich hauptsächlich als Stativkamera benutzt. Die EOS R für fast alles andere. Ich habe nichts vermisst und würde wieder exakt so packen (Stand März 2020). Hätte ich nur eine Kamera mitnehmen dürfen: Im Nachhinein hätte ich mich vielleicht sogar für die EOS R entschieden. Mein Fazit vorab: Am besten wäre, es gäbe eine Hybridkamera, die die Stärken der EOS R und der EOS 5DSR vereint… Aber da ist ja zum Glück mit der EOS R5 schon etwas am Canon Horizont zu sehen für die nahe Zukunft.. Vielleicht ist sie genau die Erfüllung dieses Wunsches.



Canon EOS R

Eine ziemlich starke Kombi für (fast) alles: Die Canon EOS R mit dem Normalzoom Objektiv RF 24-105 f/4 L IS.



Der Island Fototrip war meine erste intensive Zeit mit der EOS R. Vor Island habe ich aber bereits spiegellose Erfahrungen mit der M50 und der EOS RP von Canon und der X-E2 von Fuji gemacht.

In einem kurzen Satz zusammengefasst: Die EOS R ist der Wahnsinn. Für Landschaftsfotografie und „langsame“ Bewegtmotive perfekt geeignet. Leicht, klein. Präziser Autofokus – besser als an jeder DSLR (auch im Vergleich zur EOS-1D Linie) – zumindest im one-shot Modus und wenn irgendwie Kontraste in horizontalen Linien zu finden sind, auf denen fokussiert werden kann (in natürlichen Umgebungen ist das fast immer der Fall). Schwierig zu fokussierende EF Objektive, wie mein geliebtes EF 50mm f/1.2 L bekommen so neues Leben eingehaucht. Die Präzision, auch bei Offenblende, ist auf einem neuen Level! Und das mit der Möglichkeit, fast überall im Bildbereich fokussieren zu können. Das funktioniert ohne spürbare Unterschiede mit adaptierten EF-Objektiven genauso gut, wie mit nativen RF-Objektiven. Herrlich!


Alte EF Objektive bekommen neues Leben eingehaucht. Die Präzision des Autofokus ist auf einem neuen Level!



Digitaler Sucher mit „what you see is what you get“-Erfahrung. Super! Sehr gute und praktikable Akkulaufzeit. Hervorragende Qualität der Output-files in Hinsicht auf den Dynamikumfang mit guter Flexibilität fürs post-processing. Die Auflösung ist mit 30 Megapixeln meiner Meinung nach für das meiste mehr als ausreichend, auch wenn Bilder im Nachhinein noch leicht beschnitten werden.


Situationen mit Licht in sehr unterschiedlichen Helligkeitsstufen meistert die EOS R mit ihren RAW files durch hohen Dynamikumfang hervorragend.



Es gibt aber auch Schattenseiten und die betreffen insbesondere das Handling. Weniger schön ist, dass die Kamera ziemlich lange braucht, um hochzufahren, wenn sie ausgeschaltet oder im Sleepmodus war. So habe ich das ein- oder andere kurzlebige Motiv verpasst. Generell fühlt sich die Kamera im Vergleich zu den DSLR Pendants in allen Aktionen etwas träger an. Der Belichtungsmesser war in seltenen Situationen überfordert und „eingefroren“, was dafür gesorgt hat, dass Bilder konsequent überbelichtet waren. Nur ein „Ein-/Ausschalten“ konnte diesen Fehler beheben (trat auf Island insgesamt zwei Mal auf). In sehr hellen Situationen (z.B. Sonnenlicht bei Schnee) ist der digitale Sucher zu dunkel; das Motiv ist schwer zu erkennen.


In sehr hellen Situationen, z.B. im Sonnenlicht bei Schnee, ist der digitale Sucher zu dunkel. Das Motiv ist dann schwer zu erkennen. Hier ist ein optischer Sucher im Vorteil.

Für gutes Handling fehlt weiterhin eindeutig ein Joystick oder Ähnliches, um mit der rechten Hand den Fokusbereich schnell verändern zu können. Mit dem Touchscreen als „Trackpad“ geht das ganz passabel, vor allem mit der linken Hand. Mit der rechten Hand als „left eye shooter“ jedoch weniger gut – zumindest meine Nase ist im Weg. Der Platz zwischen Griff und einem „dicken“ Objektiv ist für die Finger der rechten Hand, insbesondere mit Handschuhen, etwas knapp bemessen.

Die Handhabung des Gehäuses ist insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man DSLRs von Canon gewohnt ist – Die Tasten liegen einfach an anderen Stellen. Das fällt vor allem auf, wenn einem „body memory“ nicht weiter hilft bei der Tastensuche im Dunkeln. Zudem habe ich den „Rate“ Button und das Daumenwahlrad ziemlich vermisst. Die „Belederung“, also das Gummi am Gehäuse, ist meiner Meinung nach ein echter Rückschritt. Es scheint auf den ersten Blick unwichtig, aber der Grip am Gehäuse ist deutlich schlechter als an allen DSLRs bei Canon. Das Gummi ist weniger profiliert und härter, folglich liegt die Kamera schlechter in der Hand. Und Canon, warum in aller Welt hat die EOS R kein Intervall-o-meter? Es ist vermutlich ein häufig übersehenes und dennoch ein sehr nützlichstes Feature. Schon die 7D Mark II hatte es. Die 5DS, die 5D Mark IV, und sogar die EOS RP haben es. Warum, Canon, habt ihr es an der EOS R weggelassen? Ich verstehe euch manchmal einfach nicht. Ich habe das Intervall-o-meter auf jeden Fall schmerzlich vermisst. Zu den Video Features kann ich leider nichts sagen. Ich bin Fotograf und so habe ich die Kamera benutzt. Alles in Allem macht die Kamera aber richtig Freude und hat großartige Aufnahmen ermöglicht. Die Handling Defizite werden dann hoffentlich mit einer neuen Generation Kameras aus der R-Serie behoben.


Canon EOS 5DSR

Das Nonplusultra, wenn es um schiere Auflösung geht: 51 Megapixel. Stand heute immernoch das maximal mögliche im Canon Ökosystem. A landscape photographer's dream!



Die EOS 5DSR ist nach wie vor das Beste, was Canon zu bieten hat, wenn es um schiere Bildqualität geht – zumindest, wenn genug Licht vorhanden ist. Die Qualität der Output Files sind der blanke Wahnsinn! 51 Megapixel mit „lowpass cancellation“ Filter – da wird wirklich jedes Detail sichtbar.


Die Qualität der Output Files sind der blanke Wahnsinn!


Auch große Ausdrucke oder beschneiden der Fotos bei der Nachbearbeitung sind kein Problem. Vorausgesetzt, die Verschlusszeit ist kurz genug oder man hat ein gutes Stativ. Der etwas geringere Dynamikumfang der RAW files im Vergleich zu manchen Canon Kameras der neusten Generation (5D Mark IV, EOS-1D X Mark II und Mark III, EOS R) schränkt mich durch die Nutzung von optischen Filtern in der Landschaftsfotografie bei der Nachbearbeitung nicht stark ein.

Fotografie mit hohen ISO Werten, nördlich von ISO 3200, ist allerdings nicht die Stärke der EOS 5DSR. Der „Rest“ des Gehäuses ist auf dem Niveau einer 5D Mark III oder Mark IV. Autofokus, Reaktion, Handhabung und Ergonomie ist so gut, wie es möglich ist, bei Spiegelreflexkameras von Canon. Absolut Top! Und trotzdem, so zuverlässig und präzise wie an der EOS R ist der Autofokus leider nicht. Das ist ein Nachteil, den meiner Meinung nach aber alle DSLRs gegenüber Spiegellosen haben. Die Trefferquote an der EOS R ist spürbar größer - zumindest bei der Verfolgung langsamer Objekte oder statischen Motiven. Auf Schnickschnack, wie Touchscreen, GPS oder Videofeatures kann ich als puristischer Fotograf draußen in der Landschaft gut und gerne verzichten. Nur ein Schwenkdisplay wäre hilfreich, vor Allem bei Aufnahmen mit umgeschlagenen Stativbeinen, ganz nah am Boden. Und WLAN ist ein klasse Feature, wenn man schnell ein Motiv per Smartphone teilen will. Das fehlt an der 5DSR. Insgesamt ist es schade, dass die 5DSR keine Spiegellose ist. Die Bildqualität ist nämlich über jeden Zweifel erhaben.


Die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Vorausgesetzt Bewegungsunschärfe kann minimiert werden. Bei dieser Auflösung wird jeder Makel sofort sichtbar, sogar Spiegelschlag bei kritischen Verschlusszeiten kann das Ergebnis beeinflussen. Ein gutes Stativ, Spiegelvorauslösung oder ausreichend kurze Verschlusszeiten helfen.






Fazit

Canon - wie wäre es? Eine Verbindung der Stärken dieser beiden Gehäuse in einem einzigen Fotoapparat wäre ein aus meiner Sicht ziemlich starkes "Werkzeug" - nicht nur für Landschaftsfotografie.