Foto Epos - Fontainebleau




Bleau - Das beste Bouldergebiet der Welt. Zumindest, wenn es nach Jan Hojer, dem Boulder Europameister von 2017 und der aktuellen deutschen Kletter-Olympiahoffnung aus Köln, geht. Die Behauptung könnte aber auch von mir kommen, obwohl ich bisher sicher deutlich weniger Bouldergebiete gesehen habe als Jan Hojer. Das weltbekannte Bouldergebiet im Herzen Frankreichs, 60 km südlich von Paris, wo es zehntausende beschriebene Routen in jedem Schwierigkeitsgrad mit perfektem Absprunggelände gibt, ist für mich aber noch deutlich mehr als nur ein Platz zum Bouldern.

Für mich ist Bleau ein Ort, an dem Freundschaften entstanden sind. Es ist ein Treffpunkt aller Altersklassen - Kleinkinder, Erwachsene und Senioren klettern hier Seite an Seite - wo ich Freundschaften lebe und vertiefe. Der Wald um Fontainebleau, mit seinen wunderschönen Sandsteinblöcken, die in der Landschaft verteilt liegen, jeder auf seine Weise einzigartig, ist herrliche Natur. Der Duft von Kiefernnadeln, weicher warmer weißer Sand, sanfte waldige Hügel, tiefgelbe Lichtstrahlen von einer tief stehenden Sonne – das sind alles Erinnerungen, die ich mit Bleau verbinde. Fontainebleau ist auf der einen Seite verschlafen, dörflich und irgendwie typisch Französisch. Auf der anderen Seite ist es sehr international. An den Boulderspots lauscht man sehr häufig allen möglichen, nicht nur europäischen Sprachen. Bleau ist ein wunderbarer Ort – das vielleicht beste Bouldergebiet der Welt.

Dieses Foto Epos ist eine Hommage an Fontainebleau und an das, was ich seit vielen Jahren mit diesem Ort verbinde, auch oft hinter der Kamera.



Solche Ausblicke bedürfen nicht vieler Worte. Die Herbstsonne Anfang November küsst goldgelbe Birken, Esskastanien und die feinen Sandsteinblöcke in Aprémont.



Viele zehntausend verschiedene Routen sind beschrieben an den unzähligen Blöcken mit den einzigartigen Sandsteinstrukturen in den Wäldern um Fontainebleau, viele davon sind sogar farblich markiert.


Nachtsessions gehören seit eh und je zu Besuchen in Fontainebleau. Das war eine der Ersten an einer meiner absoluten Lieblingslinien: Action directe assis (6c+).


Geschicklichkeit, Körpergefühl, Vertrauen, mentale Stärke und Kraft - all' das muss vereint werden, um eine Linie an seinem persönlichen Limit erfolgreich durchsteigen zu können. Diese Vielschichtigkeit an Anforderungen fasziniert mich.



Auch wenn der Boulder letztendlich alleine bezwungen werden muss: Bouldern ist oftmals gemeinsamer Erfolg.


Sei es durch gemeinsames Absichern..


..oder hoch schreien und anfeuern, um die letzten Reserven zu mobilisieren.


Nirgendwo sonst wird Gemeinschaft beim Bouldern so gelebt, wie in Fontainebleau.


Manchmal reicht es aber auch einfach, die Zeit draußen zu genießen und die Facetten der wundervollen Natur aufzusaugen.


Im Frühjahr dominieren frisch grüne Farben.



Der Wald in Bleau ist faszinierend: Kiefern versprühen betörenden Sommerduft, Lorbeerbäume spenden Schatten und es tun sich immer wieder kleine Lichtungen auf, wo Sandsteinblöcke mit bester Felsqualität herumliegen, gekrönt durch weich-weißen Sand als perfektes Absprunggelände davor, wie hier in einem meiner Lieblingsgebiete, in 95.2.


Das Wahrzeichen Fontainebleaus, der Elefant. Die Felsformationen und -strukturen sind zum Teil wirklich bizarr.


Der Augenblick, kurz vor dem finalen Zug und der Moment des Scheiterns liegen oft sehr nah beieinander.


Die Freude nach erfolgreichem Durchstieg ist vor allem nach schier endlosen erfolglosen Versuchen dafür umso größer. Ekstase.


Der Lohn des Erfolgs.


Französischer Lebensstil darf in Bleau natürlich nicht fehlen - auch nicht beim Zustieg ins Gebiet zu den Blöcken.


Kochen im Camp spät am Abend im Licht epischer Sonnenuntergänge. Die gelbe Öllampe ist dabei seit Jahren ständige Begleiterin.


Das Suchen der interessanten Linien im gewünschten Schwierigkeitsgrad vor der Session ist schon fast zum (notwendigen) Ritual geworden.


So lassen sich auch echte Klassiker ausfindig machen, wie die erste 6a des Waldes oder vielleicht sogar der Welt, 1946 erstbegangen: La Marie Rose in Cuvier.


Oder Hyper Plomb von Eddy Bouchet und Jo Montchaussé - ein echter 7a-Klassiker in Apremont Est.



Manche Blöcke werden für einen selbst zum Klassiker - einfach, weil die Linie so schöne Bewegungsabläufe einfordert und man sie immer wieder gerne klettert (Le P'tit Toit, 6b+, 95.2)..


..oder weil man sie Jahr für Jahr wieder projektiert und noch nicht ausgetoppt hat (Le Triste Portique, 5+, Apremont Est).


Gemeinsame Zeit in Bleau ist gute Zeit!


Diese wird einem auch von liebevollen französischen Gastgebern gewünscht.



Das Vehikel, was die Träume wahr werden lässt und einen allein oder direkt im ganzen Team nach Frankreich transportiert. Home is where you park it!


Im Winter, wenn die Tage am Fels kurz und die Nächte kalt und lang sind, ist es toll, wenn man eine Bleibe mit Dach über dem Kopf hat. Da kann man den Abend auch schon einmal beim Billard ausklingen lassen.


Im Sommer sind die Tage im Wald und am Fels dafür umso länger. Purer Genuss!


Für Nachtsessions muss man sich meist echt nochmal aufraffen. Es ist kalt, die Haut ist runter, der Körper tut weh und die Muskeln sehnen sich eigentlich nach einer wohlverdienten Pause. Bilder wie diese unter einem funkelnden Himmelszelt entschädigen aber für alle Mühen.


Das Schöne ist, dass man als Fotograf nachts die volle Kontrolle über das Licht hat..


Die Sonne als nicht kontrollierbare Lichtquelle ist aber auch nicht verkehrt. Vor allem, wenn sie flach in den Morgendunst hinein scheint.


Zustiegsromantik.


Musikalische Untermalung in der sonnigen Mittagspause am Fels mit allen Freunden: Mehr geht nicht!


Bouldern als Sport ist so viel facettenreicher, als nur kraftvoll irgend eine Linie an einem Block herzurpügeln. Auge-Fuß-Koordination..


..Auge-Hand-Koordination..


..Auge-Fuß-Hand-Koordination.


In Bleau gibt es eine Fülle an Boulderproblemen in niedrigen Höhen mit perfektem Absprunggelände. Höhenangst oder Respekt vor der Höhe muss einen nicht vom Bouldern abhalten.


Manchmal heißt es allerdings: Allen Mumm zusammennehmen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbauen und einen Highball austoppen.


Nirgendwo konnte ich bisher so intensiv erleben, dass generationsübergreifend gemeinsam Sport gemacht wird, wie in Bleau. Ich war schon ziemlich überrascht, Rentnergruppen anzutreffen, die ein Crashpad mit sich herum tragen, was offensichtlich von der Farbgebung her irgendwo aus den 80er kommen muss. Mit dem weichen Sand und den unzähligen Blöcken, auf die man hochklettern kann, ist es natürlich auch ein Paradies für Kids. Bleau for life!


Bleau-Zeit ist auf jeden Fall auch Foto-Zeit. Ich fotografiere auch wieder vermehrt auf Film..


..natürlich Schwarz-Weiß. Insbesondere, wenn sich so ein tolles Spiel von Licht, Schatten und einer natürlichen Vignette ergibt.


Unbezahlbare herbstliche Morgenstimmung. Blasse gelbgrüne Farben, Nebel und leichter Taufall auf den Blöcken: Perfekt zum Fotografieren - zum Bouldern (noch) nicht so geil.


Mächtige, imposante Blöcke.


Ich mache wenige Dinge lieber, als im warmen goldenen Sonnenlicht draußen zu sein..


..am Besten mit Freunden am Fels. Nirgendwo, geht das besser als in Bleau! Das reimt sich ja sogar..


Diebische Freude nach erfolgreichem Durchstieg.


Intensive Zeit unter Freunden, auch neben dem Fels.


Und trotzdem - Bouldern bleibt eine Grenzerfahrung, wo man über sich hinaus wachsen muss und kämpfen muss für den Erfolg, im besten Fall aber mit ordentlich Support.


Die Bewegungsabläufe die einem die Linien in Blau abverlangen sind mannigfaltig. Sloper für Aufleger mit offenen Händen, kleine Mikroleisten für aufgestellte Finger, grazile Bewegungsprobleme, hammerharte Züge im Überhang oder das Piazzen an den Seitgriffen einer Kante wie hier in L'Angle Allain (6a) in Cuvier Rempas - In Fontainbleau gibt's alles.


So sieht ein perfekter Start in den Tag aus: Morgen-Zigarettchen mit Blick über die Blöcke.


Ist das dann der perfekte Nachmittag? Gebannte Blicke auf das Projekt kurz vor dem Finish.


Der schönste Moment in einer Route: Wenn man weiß, dass es klappen wird, kurz vor dem Ausstieg..


..und einem die Props von den Kollegen sicher sind. Gemeinsame Freude ist doch die schönste Freude!


Eins ist sicher: Wir kommen wieder - ob im kleinen oder großen Team, im Sommer oder im Winter, mit Übernachtung im Zelt, Bus oder in der Ferienwohnung. Die Wälder um Fontainebleau gehören mindestens zu den schönsten Orten der Welt. Sie sind aber auf jeden Fall ein Ort für die besten Momente!



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